211214 lebenshilfe weihn


Am Pfingstsonntag feierte Weihbischof Otto Georgens in Vertretung des erkrankten Diözesanbischofs Dr. Karl-Heinz Wiesemann ein Pontifikalamt im Speyerer Dom. In seiner Predigt betonte der Weihbischof die heilende Kraft des Heiligen Geistes, gerade in schwierigen Zeiten der Krise, wenn man Angst habe oder das Gefühl, nicht mehr atmen zu können.

„Mit dem Einhauchen des Geistes wird Leben weitergegeben. Pfingsten ist Auferstehung. Pfingsten ist Neuschöpfung, neues Leben, wenn die Luft ausgegangen ist, wenn Angst die Seele aufgefressen hat, wenn Resignation nicht mehr atmen lässt, wenn andere mich so einengen, dass ich nicht mehr lebe, sondern nur noch funktioniere.“
Der Heilige Geist bewirke, dass das Wort Gottes hörbar werde. „Er bewirkt, dass es unter die Haut geht. Der Heilige Geist schenkt uns einen langen Atem, ein Leben vom ersten bis zum letzten Atemzug. Er stiftet Gemeinschaft und ruft uns zur Verantwortung“, so Georgens.
Die Pandemie habe den Alltag radikal verändert. Einerseits habe die Krise neue Ängste hervorgebracht, auf der anderen Seite habe sie aber auch Hilfsbereitschaft und Solidarität geweckt. Für einen Neustart brauche es „Grundhaltungen, durch die Weichen neu gestellt werden, die Entwicklungen vorantreiben und zu einem neuen Miteinander führen.“
Den Heiligen Geist bezeichnete der Weihbischof als „Mutmacher“, der tröste und Lebenskraft gebe. „Er ist so etwas wie der Kitt sowohl in unserer Gesellschaft als auch in der Kirche. Er möge uns Orientierung schenken in der Unübersichtlichkeit und Unsicherheit des Lebens auf allen Ebenen. Pfingsten ist das Ereignis der neuen Schöpfung und der Kreativität, ist Neugeburt, Neubeginn und Neustart“, erklärte Georgens.
Die musikalische Gestaltung des Pontifikalamtes übernahmen die Capella Spirensis unter der Leitung von Domkantor Joachim Weller, die Schola gregoriana unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori sowie Domorganist Markus Eichenlaub. Zu Gehör kamen unter anderem die Messa concertata von Giovanni B. Casali sowie Gregorianik. Der Gottesdienst wurde live auf den Facebook Seiten von Dom und Bistum sowie auf dem Youtube Kanal des Bistums übertragen.
Stream des Gottesdienstes:
https://www.youtube.com/watch?v=yR3H_mCNt44

Die Bedeutung des Pfingstfestes
Pfingsten ist das Fest der Entsendung des Heiligen Geistes, das die 50-tägige Osterzeit beendet. Der Heilige Geist ist nach kirchlicher Lehre in die Welt gesandt, um Person, Wort und Werk Jesu Christi lebendig zu erhalten. Der Zeitraum von 50 Tagen wurde aus der jüdischen Tradition übernommen. Von daher lässt sich auch das Wort "Pfingsten" erklären: Es leitet sich von „pentekoste“ ab, dem griechischen Begriff für "fünfzig". In der Apostelgeschichte heißt es, der Heilige Geist wurde auf die Apostel und Jünger ausgegossen, als sie sich zur gemeinsamen Feier des „jüdischen Pfingstfestes“ in Jerusalem versammelt hatten. Ein Brausen erfüllte das Haus, in dem sie sich aufhielten. Dieses Ereignis lockte eine neugierige Menschenmenge aus vielen unterschiedlichen Regionen an, und jeder hörte die Jünger in seiner jeweiligen Muttersprache reden. Somit ist Pfingsten quasi das Gegenstück zum Turmbau von Babel: das Wunder eines grenzüberschreitenden Verstehens. Von diesem Moment an verstanden sich die Jünger als Gottesvolk und der Heilige Geist hatte die Einheit der Gläubigen geschaffen. Deshalb spricht man von Pfingsten auch als dem Geburtstag der Kirche.